Am Donnerstag, den 6. November 2025, sorgte SC Freiburg für eine der überraschendsten Leistungen der Europa-League-Saison: Mit einem 3:1-Erfolg beim OGC Nizza im Allianz Riviera in Nizza sicherte sich der deutsche Bundesligist seinen dritten Sieg in vier Gruppenspielen – und liegt nun mit zehn Punkten an der Spitze der Tabelle. Der Sieg war nicht nur sportlich bedeutsam, sondern auch emotional: Nach einer anfänglichen Protestphase der Freiburger Fans gegen die französischen Sicherheitsmaßnahmen verwandelte sich die Atmosphäre in eine laute, stolze Kulisse – und die Mannschaft antwortete mit einem furiosen Auftritt.
Vier Minuten später, in der 29. Minute, glich Johan Manzambi aus. Ein Flankenball von rechts, ein Kopfball wie aus dem Lehrbuch – plötzlich war das Spiel offen. Und in der 39. Minute wurde es richtig dramatisch: Nach einem Foul an Yuito Suzuki im Strafraum pfiff der Schiedsrichter Strafstoß. Vincenzo Grifo, der Freiburger Künstler mit dem eisernen Nerv, verwandelte ruhig – 2:1. Die nächste Aktion war fast schon grotesk perfekt: Nur drei Minuten später, in der 42., traf Derry Scherhant mit einem feinen Schuss ins lange Eck. Assist: Matthias Ginter, der Kapitän, der mit seiner Führung nicht nur die Abwehr stabilisierte, sondern auch die Offensive inspirierte.
"Wir haben eine sehr, sehr gute erste Halbzeit gespielt. Wir sind jetzt sehr gut dabei in der Europa League und wollen dranbleiben", sagte Matthias Ginter nach dem Spiel im Interview mit RTL. Ein Satz, der mehr sagt als viele Reden: Es geht nicht um Glück, es geht um Konsequenz.
Interessant: Der ehemalige Dante, der 2014 mit Bayern München die Champions League gewann und heute als Botschafter für den französischen Fußball fungiert, saß im Zuschauerbereich – und schien beeindruckt. Ein Zeichen, dass diese Leistung auch außerhalb von Freiburg Aufmerksamkeit erregt.
Was macht Freiburg so stark? Es ist nicht nur der Trainerwechsel von Christian Streich zu Julian Schuster – obwohl der 37-Jährige mit seiner taktischen Flexibilität ein neues Kapitel aufgeschlagen hat. Es ist die Kultur: Keine Superstars, aber eine Mannschaft, die wie eine Familie spielt. Die Spieler kennen sich, vertrauen sich – und geben alles für den Verein. Das ist der Kern.
Zunächst protestierten die Freiburger Fans etwa zehn Minuten lang gegen die strengen Sicherheitskontrollen der französischen Polizei – sie hielten Schilder mit "Keine Überwachung, sondern Respekt" hoch. Doch nach dem 2:1-Übernahmeschuss von Grifo brach eine Welle der Begeisterung los. Die Fans sangen ununterbrochen bis zum Schlusspfiff – eine Umkehrung, die zeigt, wie stark Fußball Emotionen kanalisiert.
Mit zehn Punkten ist Freiburg nur noch ein Sieg von der K.o.-Phase entfernt. Zudem hat der Verein noch nie in der Europa League die Gruppenphase ohne Niederlage abgeschlossen – das könnte jetzt Geschichte schreiben. Der Sieg in Nizza beweist, dass Freiburg nicht nur als "kleiner Club" agiert, sondern als echter Konkurrent in Europa.
Schuster übernahm den Job im Sommer 2024 nach Christian Streichs Rücktritt – und war lange als "Aufbau-Trainer" abgestempelt. Doch mit 10 Punkten in der Europa League und einem 3. Platz in der Bundesliga nach vier Spielen beweist er, dass er nicht nur ein Fortführer, sondern ein Visionär ist. Seine Taktik mit hohem Pressing und schnellen Umschaltungen funktioniert – und er hat die Mannschaft emotional geführt.
Nizza hat nach vier Spielen null Punkte, acht Gegentore und nur zwei Treffer erzielt. Die Mannschaft wirkt verloren, der Trainer Didier Digard steht unter massivem Druck. Selbst ein Sieg gegen FC Viktoria Pilsen im letzten Gruppenspiel reicht nicht mehr – sie sind ausgeschieden. Ein bitteres Ende für eine Klubtradition, die 2017 im Europa-League-Halbfinale stand.
Grifo ist das technische Herz. Mit sieben Toren und drei Assists in den letzten acht Pflichtspielen ist er der produktivste Spieler der Mannschaft. Sein Strafstoß in Nizza war sein sechster in der Europa League – er ist eiskalt. Doch wichtiger: Er verbindet die Mannschaft. Sein Lächeln nach dem Tor, seine Kommunikation mit Suzuki – das ist Führung ohne Kapitänsbinde.
Noch nicht als Favorit – aber als ernstzunehmender Kandidat. Mit der Stabilität in der Abwehr, der Kreativität im Mittelfeld und der taktischen Disziplin unter Schuster könnte der Verein bis ins Viertelfinale vorstoßen. Ein Titel wäre ein Wunder – aber ein Halbfinale? Das wäre kein Traum mehr. Es wäre Realität.